Der Mensch folgt beharrlich seinem individuellen Bewegungsgesetz

Index:

Anamnese 

Abgrenzung: Beratung, Coaching, Therapie 

Aufgabe des Beraters 

Bewegungsgesetz

Coachingformen 

Ersterinnerungen 

Ermutigung 

Fernziel

Finalität 

Gemeinschaftsgefühl

Geschwisterkonstellation 

Innerer Fesseln 

Klimagestaltung 

Kontinuierliche Reflexion

Lebensaufgaben 

Lebensstil

Männlicher Protest 

Menschenbild 

Minderwertigkeitsgefühl 

Nahziele 

Paradoxe Intention 

Selbstbild / Fremdbild

Setting

Tendenziöse Apperzeption

Übertragung

 
 
Bewegungsgesetz/ Lebensstil  (03/2006)
Autoren: Hans-Peter Kasüschke/ Michael Hoberg
Cartoon: Sabine Gruchmann
Coachingformen (01/2006)
Autoren:  Michael Hoberg/ Ulrike Blum-Hoberg
Cartoon: Rupert Klein (
01/2006)
Ersterinnerungen (01/2006)
Autoren:  Michael Hoberg/ Ulrike Blum-Hoberg - Cartoon: Rupert Klein

Im Rahmen seiner Entwicklung bildet sich der Mensch im Kindesalter bis etwa zum sechsten Lebensjahr eine Meinung über sich selbst, seine Mitmenschen und die Welt um ihn herum.
In seinem Bemühen von der gefühlten Minderwertigkeit hin zu seiner Fiktion von Vollkommenheit zu gelangen, wendet er die ihm geeignet erscheinenden Strategien, Methoden und Mittel an. Er folgt dabei seinem individuellen Bewegungsgesetz, seinem persönlichen Lebensstil. 
Laut Adler entwickelt jeder Mensch seinen Lebensstil schöpferisch selbst, so dass es so viele Lebensstile wie Menschen gibt. Dabei entscheidet der Mensch nicht aufgrund objektiver Tatsachen, sondern aufgrund seiner Wahrnehmung, d.h. aufgrund seiner Beurteilung dessen, was er mit allen Sinnen erfasst und den Ableitungen, die er daraus trifft.
Dieser Lebensstil ist dem einzelnen als solcher nicht bewusst (kann aber im Rahmen eines beraterischen oder therapeutischen Prozesses bewusst gemacht werden),  obwohl er sich in all seinen Gedanken, Handlungen und Gefühlen äußert. Lebensstil oder individuelles Bewegungsgesetz bleiben dem Menschen ein Leben lang grundsätzlich erhalten. Ähnlich wie der Mensch „nicht aus seiner Haut kann“, ist es ihm auch  nicht möglich, seinen Lebensstil abzulegen. 
Dem „persönlichen Lebensstil“ – der von Adler auch als „private Logik“ bezeichnet wird -   steht der „öffentlichen Lebensstils“ gegenüber. Hier verwendet Adler das Synonym „common sense“. Dieses ist die Gesamtheit aller Konventionen, Sitten, Gebräuche, Regeln etc. einer Gesellschaft.

Ein fundiertes, professionelles Coaching basiert wie auch Beratung und Therapie auf einem wissenschaftlich begründeten psychologischen Hintergrund z.B. Tiefenpsychologie, humanistische Psychologien, etc. In seiner Arbeit kann der Coach unabhängig vom wissenschaftlichen Hintergrund konfrontativ, unterstützend (supportiv), defizitorientiert oder ressourcenorientiert vorgehen, wobei er   entsprechende Interventionen anwenden wird.
In der Regel ist Coaching fokal angelegt, d.h. auf eine spezielle Fragestellung des Klienten ausgerichtet. Ist diese Fragestellung, also der Coaching-Auftrag, abgearbeitet, ist das Coaching beendet. Darüber hinaus ist auch Prozesscoaching üblich, bei dem ein Klient über einen längeren Zeitraum bei der Bewältigung seines Lebens, seiner beruflichen Laufbahn oder in einer Krisensituation durch einen Coach begleitet wird. Prozesscoaching wird auch im Rahmen von Firmenmaßnahmen angewendet bei der Begleitung einzelner Mitarbeiter, ganzer Abteilungen oder auch ganzer Firmen bei Veränderungsprozessen.
Vom Setting her kennen wir im Coaching unterschiedliche Formen: das Einzelcoaching in der vier-Augen-Situation zwischen Klient und Coach, das Paar-Coaching, bei dem der Coach mit beiden Beteiligten gemeinschaftlich deren gemeinsame Fragestellung bearbeitet, das Guppencoaching, in dem mehrere Klienten zusammen mit dem Coach bei regelmäßigen Gruppentreffen anstehende Fragestellungen und Probleme der Gruppenmitglieder bearbeiten,   wobei auch die Gruppenteilnehmer Gelegenheit haben, sich aktiv bei Themen anderer zu beteiligen.
Neuerdings wird der Begriff „Coaching“ auf mehr und mehr Bereiche des täglichen Lebens ausgeweitet, so dass man neben dem Jugend- und Sportcoach (J+S Coach) auch den Gesundheitscoach, den Private Coach,  den Coach für Life-balance etc. findet.

Alfred Adler spricht von der Ersterinnerung als „Kristallisation der Lebenseinstellung“. Da es hier um den Zeitraum der Lebensstilbildung geht, sind sie ein wichtiges Element der Lebensstilanalyse. In der Beratung werden üblicherweise Ersterinnerungen bis zum fünften, seltener bis zum zehnten Lebensjahr  herangezogen. Die Ersterinnerungen können realen oder fiktiven Inhalts sein – also eine Erinnerung an z.B. ein Ereignis in der Familie oder eine Erinnerung, dass der Klient sich als starker Ritter gesehen hat.
Nach Dreikurs ist darauf zu achten, dass es sich bei den geschilderten Erinnerungen um eine klar beschreibbare, einmalige Situation handelt, also nicht um die Erinnerung z.B. an den jährlichen Sommerurlaub, sondern um die Erinnerung an ein einzelnes Ereignis während eines solchen Aufenthaltes. Wichtig ist neben dem reinen Inhalt der Erinnerung auch die dazugehörige Gefühlslage. Um eine Beeinflussung durch den Berater zu vermeiden, können Ersterinnerungen auch außerhalb der Beratungszeit vom Klienten aufgeschrieben werden.
Im Rahmen  der Lebensstilanalyse wird aus mehreren Erinnerungen (Adler geht von ca. fünf aus) eine Systematik erstellt aus:

  • Selbstbild,

  • Bild von anderen,

  • Weltbild,

  • Gefühlslage,

  • Ziele und Methoden zur Zielerreichung

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letzte Änderung der Seite:
 19. Juli 2015